• Freund*in von recoupling

Hartnäckigkeit ist nicht der charmanteste Charakterzug, bildet aber die Basis meiner Beziehung.

Heute starten wir mit persönlichen Geschichten, die Freund*innen von recoupling mit euch teilen möchten. Die erste Geschichte erzählt deshalb auch von einem Start - nämlich dem in die Beziehung unserer Freundin M.

"Als ich meinem Partner, ich nenne ihn V., berichtete, dass ich für recoupling einen Blogbeitrag schreiben wollte, und mir noch ein passendes Thema fehlte, sagte er wie aus der Pistole geschossen: „Hartnäckigkeit!“ 2020 sind wir 3 Jahre zusammen, unsere Anfangszeit ist nicht mehr ständig Thema, weder bei uns noch im Familien- oder Freund*innenkreis. Sprechen wir über gemeinsam erlebte Dinge, passiert es, dass wir uns nicht einig sind; dass wir unterschiedliche Versionen des „Ich“ und „Wir“ rekonstruieren.


Hartnäckigkeit muss sich nicht lohnen, kann sie aber!

Wo wir uns aber überraschend einig sind, ist wenn es um die Frage geht, wer von uns die treibende Kraft in der Anfangsphase unserer Beziehung war. Denn das war ich. Nicht V.



Ich meldete mich häufiger, ich fragte öfter nach neuen Treffen, ich lud mich nach dem 3. Date unter einem Vorwand über Nacht zu V. nach Hause sein, und wäre gern länger geblieben. Wir verstanden uns gut, verbrachten schöne Abende und Nächte. Aber mehr wollte er nie. V. war einfach nicht verliebt in mich, und das wusste ich zu jeder Zeit, denn immer wenn ich versuchte, ihn "rumzukriegen", erklärte er mir genau das: "Ich mag dich, aber ich bin nicht verliebt." Diese Antwort bekam ich oft, denn ich fragte oft. Mir fällt es eher schwer (bzw. es ist mir nicht möglich), mein Innenleben in Bezug auf Liebesthemen für mich zu behalten. Seine Transparenz war daher auch eine Reaktion auf meine Offenheit. Was ich beschreibe, mag nach unangenehmer Machtverteilung klingen, nach einer dieser vielen Geschichten, die so viele Menschen im Laufe ihrer Partner*innensuchen erleben – Geschichten, über die man Abende mit Wein und Bier verbringt, sich im Kreis dreht im Gespräch mit Freund*innen, ohne Lösung oder Logik.


Heute erzähle ich mir die Geschichte, dass ich von Anfang an wusste, dass dieses Kennenlernen anders war. Ich wusste, dass V. mir gefiel, dass er ein guter Mensch ist, ohne Absichten mich zu verletzten. V. wollte sich nie über mich erheben - es gab keine komischen Spielchen. Und so blieb ich dran, häufig witzelnd wie großartig eine Beziehung mit mir wäre, aber mit Nachdruck. Als alles nichts half, und ich ungeduldig wurde (und das stellt V. bis heute gern fest: Ich wurde schon recht schnell, nämlich nach ca. 5 Monaten, sehr ungeduldig), stellte ich ihn vor die Wahl: "Wir probieren das jetzt aus, oder wir lassen die ganze Sache ab sofort." Er wollte weder das eine, noch das andere. Herzlichen Glückwunsch - ein umgedrehtes Two-Choice-Dilemma. So einigten wir uns nach einer Weile auf 10 Tage Kontaktverbot, und verabredeten Ort und Zeit eines Wiedersehens.


Beim Wiedersehen, schließlich, redeten wir viel, über alles; nur nicht über uns. Bis - der Abend war schon vorangeschritten - V. mir wie gewohnt transparent eröffnete: „Ich habe über uns nachgedacht, aber ich weiß es immer noch nicht.“ Spätestens an diesem Tag und diesem Ort hätte selbst mein härtnäckiges Ich mir auf die Schulter geklopft und gesagt: "Wirf das Handtuch, steh auf und geh." Selbstwertthemen gehören schon eine Weile nicht mehr zu meinen persönlichen Kernthemen und so finde ich mich gut genug, um zu wissen, dass ich niemanden zwingen muss, Zeit mit mir zu verbringen.

Ich glaube nicht, dass ich an diesem Abend dran geblieben bin, weil ich dachte, dass V. sich selbst im Weg stand. Er machte einen stabilen Eindruck, der hatte seine Macken schon im Griff. Meine Antwort war dennoch nur „Kein Problem, dass du es noch nicht weißt.“ gefolgt von, „Aber wenn wir hier heute Abend hier weggehen, dann wissen wir, wie es weiter geht.“ – Klarheit bedeutet Freiheit, zumindest für mich.

Wenn es uns nicht gefällt, ändern wir was.

Irgendwann akzeptiere V. meinen Vorschlag. Wir redeten über seine Bedenken. Seine Sorge war so menschlich wie nachvollziehbar: Was, wenn seine Einwilligung in eine Beziehung mit einer höheren Wahrscheinlichkeit in einer Verletzung meinerseits resultieren würde, würde er meine Erwartungen an eine Beziehung nicht erfüllen können?

"Jaja", sagte ich, "das lass mal meine Sorge sein. Ich werde eine Enttäuschung überwinden, jedenfalls eher als diesen Zustand der Ungewissheit."


#makelovework


Für diesen Blog werden Freund*innen von recoupling regelmäßig persönliche Beziehungs-Geschichten erzählen. Wollt ihr mitmachen? Schreibt uns unter hello@recoupling.de. Vergesst außerdem nicht euch zu unserem Newsletter anzumelden. Dort werden wir insbesondere zu Beginn unsere Erfahrungen als Gründerinnen mit euch teilen.

83 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Der recoupling Blog